Sonntag, 16. Dezember 2018  
Mit dem SZB unterwegs in Rumänien
vom 16. bis 26. Juli 2009

Reisebericht über einen Deutsch-Rumänischen Jugendaustausch


Fahrt nach Rumänien und Ankunft in Sadu:

Nach langer Vorbereitung war es am 16.07.09 endlich soweit.
Dominik, Vanessa, Vivian, Tobias, Oliver, Niels Christian, Melanie und Thomas machten sich gegen 09.30 Uhr auf den langen Weg nach Sadu in Rumänien. Das erste Tagesziel war ein Zeltplatz in der Nähe der ungarisch / rumänischen Grenze bei Macos. Allerdings gerieten wir schon auf der A14 vor Leipzig in den ersten Stau.
Es sollte nicht der einzige an diesem Tag bleiben.

Nach insgesamt 12 Stunden Autofahrt asteten wir an einem Maisfeld ca. 40 km hinter Budapest.
Durch insgesamt 2 Stunden Stau erreichten wir unser Tagesziel nicht und mussten in „freier Wildbahn“ übernachten. Melle, Dominik und Christian schliefen im Bus. Vivian, Vanessa, Olli und Niels machten in einem Zelt die halbe Nacht lang Krach und Tobias und Thomas schliefen im zweiten Zelt. Am nächsten Morgen packten wir die Zelte zusammen, putzten unsere Zähne und machten uns um 7.00 Uhr auf die Weiterfahrt.

  

Nach zwei Stunden hatten wir die rumänische Grenze erreicht und stellten unsere Uhren um eine Stunde vor.
Wir wechselten von der Mitteleuropäischen in die Osteuropäische Zeitzone.
In Arad, der ersten größeren Stadt nach der Grenze frühstückten wir an einer Tankstelle. Dann ging es durch aufregend schöne Landschaften an verrosteten und teils schon verrotteten Betrieben weiter in Richtung Karpaten. Autofahren ist in Rumänien ein Abenteuer. Weil Thomas aber schon das 37 Mal in diesem schönen Land ist, kennt er die Autofahrermentalität und kann sich gut in den laufenden Verkehrsfluss eingliedern…

Unterwegs erwischte uns ein starker Regenguss und sorgte endlich für ein bisschen Abkühlung. Wir waren in unserem Bus nämlich schon fast gar gekocht. Unser Ziel war das kleine Dorf Sadu am Fuße der Karpaten. Sadu liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadt Cisnadie - der Partnerstadt von Wernigerode.
Als wir um 19.00 Uhr in Sadu ankamen, war der Empfang durch unsere Gastgeberin Elena Botarel sehr herzlich und es gab ein köstliches Abendessen.
Wir waren von den zwei Tagen im Auto ganz schön geschafft und freuten uns darauf etwas auszuruhen.
Der Pool war noch nicht ganz gefüllt, aber das hinderte uns nicht daran, baden zu gehen. Dann wurden die Zimmer eingeteilt und unser Ankunftstag in Rumänien ging allmählich zu Ende.

Unser erster Tag in Siebenbürgen:
Leckeres Essen aus der Selbstversorgung...


Am nächsten Morgen gab es leckeres Frühstück und fast alle Zutaten waren innerhalb von Sadu produziert und garantiert ökologisch. Es gab Schafskäse aus eigener Produktion, Auberginen-Salat, Eier von den eigenen Hühnern, selbst gemachte Marmelade, Brot aus der nachbarschaftlichen Bäckerei, frisch gemolkene Milch und noch einige andere Leckereien. Nur der Kaffee war nicht aus Sadu… Nach dem Frühstück war relaxen angesagt und dann ging es in die Berge zu einer Quelle um frisches Trinkwasser zu holen. Das Wasser aus der Leitung ist nicht genießbar und so sind die Menschen gezwungen, sich ihr Trinkwasser aus den Bergen zu holen. An der Quelle trafen wir viele Menschen, die mit Handwagen, Pferdekutsche oder Auto gekommen waren um das kühle und klare Waser zu schöpfen. Für unsere Jugendlichen war es sicher eine Erfahrung, dass Trinkwasser für die wenigsten Menschen aus der Wand kommt und ein kostbares Gut ist.

 

Nach einer kleinen Erkundungstour durch Sadu, verlebten unsere Jugendlichen bei 35 Grad einen entspannten Nachmittag auf Elenas Hof und im Pool.
Am frühen Abend machten wir uns auf den Weg nach Sibiu. Diese Stadt wurde vor ca. 800 Jahren von den sogenannten Siebenbürgen-Sachsen unter dem Namen Hermannstadt gegründet.
Nach 25 Minuten Autofahrt erreichten wir unser Ziel. Jeder von uns erkundete die sehr schöne mittelalterliche Stadt auf seine eigene Art und Weise. Um neun Uhr machten wir uns auf den Rückweg nach Sadu, wo unsere Gastgeberin Elena bereits mit einem köstlichen Abendessen auf uns wartete. Anschließend war noch einmal ausgiebiges baden im Pool angesagt.

Unser zweiter Tag in Siebenbürgen:
Stadtführung durch Sibiu und die Geschichte der Siebenbürgen-Sachsen...


Am 19.07.2009 konnten alle noch einmal richtig ausschlafen, da uns die lange Fahrt doch ziemlich in den Knochen steckte. Auch der zweite Tag begann mit einem ausgiebigen Frühstück allerdings mit etwas Regen, doch das störte uns wenig, da wir so die Gelegenheit für Gespräche mit unseren Gastgebern und Jugendlichen aus der Nachbarschaft hatten und die Zeit für Gesellschaftsspiele nutzten. Am Nachmittag besuchten wir nochmals Sibiu. Es gab eine kleine Stadtführung und wir erfuhren etwas über die 800-jährige Geschichte der Siebenbürgen-Sachsen, die ja eigentlich aus dem westdeutschen Raum stammen und vor 800 Jahren durch den ungarischen König Mihai im Karpatenbecken angesiedelt wurden um als Schutzwall gegen die einfallenden Türken zu dienen. Berühmt sind vor allem die Wehrkirchen, die mit einer starken Mauer umgeben wurden und bei Überfällen in jedem Dorf als letzter Rückzugsort für die Bewohner dienten.
Am Abend fand auf dem kleinen Marktplatz (dem kleinen Ring) der Stadt eine Feuershow statt, die viele Besucher in Ihren Bann zog. Am späteren Abend machten wir uns wieder auf den Rückweg. Um zwölf Uhr gratulierten wir unserem Geburtstagskind Christian. Wir ließen den Abend entspannt ausklingen. Am folgenden Morgen klingelte bereits um sieben Uhr der Wecker.

Unser dritter Tag in Siebenbürgen:
Die hohe Rinne und Christians Geburtstag...


Nach unserem gemeinsamen Frühstück machten wir uns auf den Weg in Richtung Gebirge, genauer gesagt nach Paltinis oder „Hohe Rinne“.
Hier konnten wir das erste Mal die Karpaten in ihrer vollen Pracht genießen. Weite Almen, auf denen Schafe weideten, vereinzelte Berghütten und einzeln stehend Bäume machen diese geschwungenen Berge zu einem Naturschauspiel. Diese wunderschöne Aussicht wurde aber bereits am nächsten Tag getoppt.
Wir machten einen kleinen Spaziergang und besichtigten ein orthodoxes Kloster mit einer kleinen aber beeindruckenden Kapelle. Hier kam es zu einem kleinen Zwischenfall, der für heftige Diskussionen sorgte.

Olli küsste auf dem Klostergelände seine Freundin Vanessa und erntete dafür den wütenden Redeschwall einer Nonne. Beide konnten nicht verstehen, wieso das Küssen in einem Kloster verboten ist und es dauerte eine Weile, bis sie einsahen, dass es in anderen Ländern auch andere Sitten gibt und man sich als Besucher darauf einstellen muss… Das verlangen wir in Deutschland von unseren Gästen und genau so können die Bewohner anderer Länder die Einhaltung ihrer Sitten, Gebräuche und Gesetze verlangen.

  

Da die Temperaturen wieder sehr hoch waren, hatten die Teilnehmer am Nachmittag erneut die Gelegenheit sich im Pool abzukühlen. Am Abend fuhren wir nochmals nach Sibiu. Dort blieben wir bis 21 Uhr. In Sadu angekommen, wurde unser Geburtstagskind mit zwei selbstgemachten Torten überrascht. Es wurde noch ein schöner Abend mit viel Musik aus Deutschland und Rumänien.

Unser vierter Tag in Siebenbürgen:
Balea Lac, die Karpaten und die Winzigkeit des Menschen...


Auch am 21.07.2009 hieß es früh aufstehen. Der Tag begann mit einem Ausflug in eine Therme am Ufer des Flusses Old und am Fuß der gigantischen Karpaten. Das Wasser war sehr warm (ähnlich Badewanne) und schwefelhaltig.

 

Die Straße schlängelte sich in Serpentinen über Stunden in Richtung Pass und war teilweise nichts für schwache Nerven... Zur Stärkung machten wir in den Bergen ein Picknick, mit selbstgemachten Kartoffelsalat und Bouletten. Umgeben vom riesigen Felsmassiv des Fagaras-Gebirges kamen wir uns sehr klein und unwichtig vor.
Auf Höhe des Bergsees Balea Lac hatten wir dann eine traumhafte Aussicht auf die umliegende Landschaft und das vor uns liegende Karpatenbecken. Stellenweise fanden wir noch Reste des vergangenen Winters in Form von Schnee und Eisfeldern und unsere Jungs nutzten diese für eine übermütige Rutschparty!

 

Wir waren erst sehr spät zurück und ließen die erlebten Eindrücke des Tages noch einmal im Gespräch auf uns wirken.

Unser fünfter Tag in Siebenbürgen:
Das Projekt der Kinderhilfe für Siebenbürgen,
Armut im Roma-Slum und die Salzseen von Ocna Sibiului...


An diesem Morgen war ausschlafen angesagt. Gegen 12.30 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Einkaufen (Lebensmittel) für das Projekt der Kinderhilfe Siebenbürgen in Sura Mare. Um 14 Uhr wurden wir von ca.35 rumänischen Kindern empfangen, welche ein kleines Programm für uns vorbereitet hatten. Wir bekamen Einblicke in den Alltag der Kinder, bastelten und spielten gemeinsam. Anschließend brachten wir die Roma-Kinder nach Hause in das Elendsviertel am Rande von Sura Mare. Die Bedingungen unter denen diese Menschen leben sind katastrophal und versetzten uns Wohlstandsmenschen einen tiefen Schock. Weder Wasser noch Abwasser, keine Toiletten, aber dafür mitten zwischen den einfachen Lehmhütten Schweinekoben, Verschläge in denen Kühe und Ziegen gehalten werden… der Geruch war unbeschreiblich stechend und die hygienischen Bedingungen komplett inakzeptabel. Thomas wurde in eine der Hütten gebeten. Ihm wurde ein höchstens zwei Tage altes Baby gezeigt. Welche Chancen hat dieses kleine Mädchen in diesem Leben??? Am späten Nachmittag fuhren wir nach Ocna Sibiului zum baden. Hier vergnügten wir uns in Salzseen und im Salzmatsch. Gegen 21 Uhr machten wir uns auf den Heimweg. Nach dem ausgiebigen Abendessen fand erneut eine Diskussionsrunde mit rumänischen Jugendlichen statt, wo die Eindrücke und Erlebnisse des Tages aufgegriffen wurden. Auch in Rumänien gibt es Rassismus und Diskriminierung und so haben Kinder der Roma-Bevölkerung viel geringere Chancen als andere rumänische Kinder.

 

Wir waren uns schnell einig, dass der Weg aus dem Elend für diese Kinder nur über eine gute Schulbildung möglich ist und das Projekte wie die Tagesgruppe der Kinderhilfe für Siebenbürgen dazu beitragen können auf lange Sicht eine bessere Integration von Roma in die Gesellschaft zu ermöglichen. Thomas erzählte uns einiges über die Geschichte der Roma und wie sie vor ca. 800 Jahren aus Indien auswanderten um Not und Elend hinter sich zu lassen. Dieser Weg dauert bis heute an…

Unser sechster Tag in Siebenbürgen:
Legenden und das wahre Leben des Grafen Dracula...


Am 23.07.2009 war das Ziel Bran, dies bedeutete mehr als 3 Stunden Autofahrt und somit früh aufstehen. Auf dem Weg dorthin besichtigten wir eine gut erhaltene, mittelalterliche Burg in Rasnov. Am Ziel angekommen, erwartete uns die Burg Bran auf der der walachische Fürst Vlad Tepesh lebte, der unter dem Namen Dracula weltberühmt wurde. Unsere Dolmetscherin Iulia erzählte uns viel wissenswertes über die historische Persönlichkeit und das die Rumänen Vlad als Nationalhelden verehren. Die Burg bietet eine wunderschöne Kulisse die, wie wir erfuhren, auch oft von Sängern oder Künstlern genutzt wird. Sie ähnelt eher einem Dornröschenschloß als einer finsteren Vampir-Behausung.
Übrigens trafen auch wir einen bekannten Sänger aus Deutschland, der aber in Rumänien geboren wurde. An der Kasse des Museums entdeckten wir Peter Maffay, der sich die Burg ebenfalls ansehen wollte.

  

Auf dem Rückweg nach Sadu machten wir im Wald ein schönes Picknick und Iulia erzählte uns, dass es in den umliegenden Wäldern und Bergen viele Braunbären und Kragenbären gibt. Einige von uns verspeisten ihr Essen daraufhin bedeutend schneller… Der Pool verschaffte uns nach dem heißen und staubigen Tag eine angenehme Abkühlung... Anschließend machten wir einen Spaziergang durch Sadu und trafen uns erneut zu einer Gesprächsrunde mit rumänischen Kindern und Jugendlichen.

Unser siebter Tag in Siebenbürgen:
Abschied und Packen...


  An diesem ebenfalls sonnigen Tag konnten alle noch einmal richtig ausschlafen. Anschließend hieß es Sachen packen und Zimmer aufräumen.
Danach machten wir ein Geländespiel in der Umgebung von Sadu.
Abschließend kühlten wir uns im Fluss ab.
Das war bei einer Temperatur von 38 Grad bitter nötig. An diesem letzten Abend fanden sich alle zusammen, deutsche wie auch rumänische Kinder und Jugendliche, und werteten das Erlebte aus.
Die gemeinsame Zeit war viel zu schnell vergangen.
 

Die Rückfahrt...

  Am 25.07.2009 war es dann soweit. Wir bedankten uns recht herzlich bei Elena Botarel für die rundum perfekte Verpflegung und ihre Gastfreundlichkeit. Um 9 Uhr begann unsere lange Rückreise nach Deutschland. Noch einmal konnten wir die schöne Landschaft und das exotische Flair Rumäniens genießen und nach reichlich fünf Stunden Autofahrt sagten wir diesem gastfreundlichen Land zwischen Mittelalter und Moderne für dieses Jahr lebe wohl.  
Weiter ging es durch Ungarn, Slowakei und Tschechien zurück nach Deutschland. Alle waren sich einig, dass wir wenn möglich durchfahren wollten und so wechselten sich Thomas und Melle mit dem Fahren ab und mit einigen längeren Pausen schafften wir es am Sonntag dem 26.07. gegen 4 Uhr morgens im Jugendzentrum Sputnik in Thale anzukommen. Erschöpft vielen wir dort in einen kurzen Schlaf. Gegen 9.30 Uhr wurden Vivien und Tobias von ihren Vätern abgeholt. Die anderen fuhr Thomas nach Hause. So endete unser rumänisches Abenteuer für dieses Jahr. Alle freuen sich schon darauf, die vielen Fotos zu einem Album zusammen zu fügen und aus den ca. 4 Stunden Videomaterial einen Reisebericht zu schneiden und zu vertonen.

  
 


 Mehr Bilder im Fotoalbum




©2018 Sozialzentrum Bode e.V. (zum Seitenanfang)